Integration: Kollektivismus vs. Individualismus

Die Welt ist kompliziert. Richtig? Ja richtig.

Wir, die Menschen, versuchen trotzdem die Komplexität zu erfassen, indem wir versuchen Heuristiken (einfache Entscheidungsregeln) aufzubauen, die uns das Leben leicht erklärbar machen. Wir versuchen die Welt abstrakt zu halten, damit wir den Überblick nicht verlieren. Wer will denn schon den Überblick verlieren? Oder wer will zugeben den Überblick verloren zu haben?

Wenn wir in gesellschaftlichen Debatten über konkrete Themen diskutieren, sind wir gewillt diese mit bestimmten Schlüsselbegriffen zu füllen. Zur Flüchtlingsdebatte fallen uns immer wieder die gleichen Schlüsselbegriffe ein: Integration, Islam, Freiheit. Was haben diese Begriffe nun gemeinsam?

All jene Begriffe, die ich aufgezählt habe, werden durch ihre vielfältigen Bedeutungen charakterisiert.  D.h., dass der individualistische Ansatz hier greift, da verschiedene Assoziationen mit diesen Begriffen vorliegen. Wir haben zwar einen konsensuale Grundlage, die eine Diskussionsbasis schafft, jedoch wird diese dann durch die verschiedenen Zugänge zu diesem Thema individuell variiert.

Der Fokus dieses Textes wird sich auf den Begriff der Integration konzentrieren, da man dadurch die wesentlichen Konflikte zwischen dem Kollektivismus und Individualismus klarstellen kann.

Integration hat einen klaren kollektivischen Ansatz, da die Gesellschaft im Allgemeinen im Vordergrund steht. Man stellt die kollektivistischen klar vor den individualistischen Zielen. Wie passt diese Erkenntnis nun mit der Freiheit der Individualität in einer funktionierenden Demokratie?

Wir wollen uns nämlich frei entfalten können, aber gleichzeitig auch das gesellschaftliche Gemeinwohl aufrechterhalten. Um dieses Gemeinwohl nicht zu gefährden, müssen wir uns als Gesellschaft einigen und gegebenfalls ein Stück von unserer Freiheit opfern. Diese Freiheitseinschränkung bringt uns aber Sicherheit in Form von Gesetzen und Regeln, die ein funktionierendes Gesellschaftssystem gewährleistet.

Was passiert nun, wenn die In-Group (also Menschen, die schon immer hier gelebt haben) mit einer Out-Group (z.B. Flüchtlinge)  konfrontiert wird?

Bei diesem Sachverhalt wird deutlich, dass der Kollektivismus und der Individualismus fließende Übergänge besitzt. Hier wird nämlich ein zuweilen starker kollektiver Gedanke gefördert („Wir sind das Volk“), um sich von der ankommenden Out-Group abzugrenzen. Dabei werden die individualistischen Empfindungen genutzt, um eine kollektivistische Illusion herbeizurufen. Diejenigen, die „Wir sind das Volk“ auf den Straßen schreien sind überzeugt davon, dass sie die Gesellschaft repräsentieren.

Wir benutzen also Wörter, die aus verschiedenen Perspektiven Sinn ergeben. Es ist keine Schande den Überblick zu verlieren, da es den komplett wahrhaftigen Ansatz nicht gibt. Erst durch die individuelle Einbringung verschiedener Ideen wird man herausfinden, ob es konsensuale Schnittmengen gibt oder nicht. Der Begriff Integration gewinnt also erst dann an Bedeutung, wenn dieser seinen individuellen Charakter nicht verliert. Einen allgemeingültigen Katalog, wie Integration funktioniert, wird es in meinen Augen nicht geben, da es, wie bei der semantischen Herangehensweise , nicht nur einen Weg gibt.

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